kvt Kassenärztliche
Vereinigung Thüringen

Austausch des Telekom-Konnektors

Da sich die Telekom aus dem Geschäft mit der Telematik Infrastruktur zurückzieht, ist es für die neuen Anwendungen wie Notfalldatenmanagement oder den elektronischen Medikationsplan notwendig, dass der Konnektor bis spätestens Ende 2020 ausgetauscht wird. Die Telekom bietet Ihren Kunden dazu den Umstieg auf den Konnektor von secunet an. Das neue Gerät wird Ihnen automatisch zwischen Juni und November 2020 kostenfrei zugesendet. Die Telekom erwartet, dass Sie die Vor-Ort-Einrichtung ohne Dienstleister in der Selbstinstallation vornehmen. Sie erhalten dazu ein Paket mit dem neuen Gerät und begleitend eine Ankündigung und eine Lieferbestätigung per elektronischer Mail.

Secunet bietet den Telekom-Kunden eine Hilfe zur Umstellung in Form eines sogenannten Migrations-Guides. Das ist eine Schritt-für-Schritt-Anleitung, um die Einstellungen des alten Konnektors zu ermitteln und damit den neuen Konnektor in Betrieb zu nehmen. Für einen fast automatischen Umstieg, steht das Migrations-Tool für die gängigen Plattfomen zur Verfügung. Zum Start benötigen Sie die PIN Ihres Praxisausweises (SMC-B)  und den Benutzernamen (das ist normalerweise "admin") und das Passwort (das war initial "konnektor" sollte nun aber dokumentiert etwas anderes sein) zum Telekom-Konnektor. Zwar versucht das Migrations-Tool automatisch den alten Konnektor in Ihrem lokalen Netzwerk zu finden, aber dennoch bietet es sich an, für die schnellere Migration auch die Konnektor-Adresse zu kennen. Der Telekom-Konnektor muss mit der Firmware-Version 1.4.13 oder 1.5.3 ausgestattet sein, damit das Migrationstool arbeiten kann.

Zwar ist der Vorgang vollständig dokumentiert (insgesamt 38 Schritte), allerdings erfordert die Umsetzung ein technischen Verständnis und Geschick, so dass Sie vermutlich auf einen IT-Dienstleister zurückgreifen möchten. Leider gibt es weder eine finanzielle Vergütung für die Migration noch für die Ausfallzeit Ihrer Betriebsstätte.

Telematikinfrastruktur der gematik

Die Telematikinfrastruktur (TI) der gematik gewährleistet den sicheren Austausch von Informationen über Sektoren und Systeme hinweg. Die Telematikinfrastruktur ist ein geschlossenes Netz, zu welchem nur registrierte Nutzer (Personen oder Organisationen) Zugang haben. Durch Einsatz starker Informationssicherheitsmechanismen wird die Telematikinfrastruktur Datenschutzanforderungen gerecht, um insbesondere Daten von Patienten zu schützen. Die eingesetzten kryptographischen Verfahren werden regelmäßig vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) überprüft und an die neuesten technischen Entwicklungen angepasst, um langfristig die sichere Kommunikation und den Schutz von sensiblen Informationen zu gewährleisten.

Gesetzliche Fristen

Achtung Laborärzte, Pathologen, Transfusionsmediziner oder (reisende) Anästhesisten: Mit dem Digitale-Versorgung-Gesetz (DVG), welches am 1. Januar 2020 in Kraft getreten ist, wurde die Verpflichtung zur Anbindung an die TI auch für nicht VSDM- Pflichtige zum 30.06.2020 vom Gesetzgeber in § 291 Absatz 2b SGB V festgelegt. Hintergrund ist die vom Gesetzgeber beschlossenen Einführung weiterer medizinischer TI-Anwendungen, wie Notfalldatenmanagement (NFDM), elektronischer Medikationsplan (eMP) sowie elektronische Patientenakte (ePA).

Mit dem DVG (§ 291 Absatz 2b Satz 9 SGB V) wurde auch die Honorarkürzung (gesetzliche Sanktion für einen Nicht-Anschluss an die TI) von 1 Prozent ab März 2020 auf 2,5 Prozent angehoben. Die Honorarkürzungen von 2,5 Prozent werden voraussichtlich mit dem Honorarbescheid für Quartal 2020/2 umgesetzt.

Ab 01.01.2021 müssen auch ermächtigte Ärzte/Psychotherapeuten/Einrichtungen (§ 291 Absatz 2c Satz 4 SGB V) an die TI angeschlossen sein und als erste Anwendung das VSDM durchführen. Zu diesem Zeitpunkt werden weitere TI-Anwendungen eingeführt, wie die elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (eAU) auf Basis der Kommunikation im Medizinwesen (KIM, früher KOM-LE)

Finanzierung

In Anlage 32 des Bundesmantelvertrages-Ärzte (BMV-Ä) ist die Finanzierung und Erstattung, der durch die Einführung der TI entstehenden Kosten geregelt. Basis sind Pauschalen, welche je nach Anspruch, Praxiszusammensetzung und Erbringung bestimmter TI-Dienste berechnet werden. In der Regel werden die Beträge am Anfang des 2. Monats nach Abgabe der Quartalsabrechnung in einer gesonderten Anweisung ausbezahlt und in einen Anschreiben aufgeschlüsselt.

Der Nachweis erfolgte beim Versichertenstammdatenmanagement (VSDM) automatisch über Ihre normale Quartalsabrechnung. Bei den neuen Diensten der TI wie z.B. Notfalldatenmanagement (NFDM) oder dem elektronischer Medikationsplan (eMP) wird der Nachweis über Eigenerklärungen geführt. Diese Eigenerklärungen geben Sie bequem im Mitgliederportal KVTop (Link führt in das sichere Netz der KVen) ab. Bitte senden Sie uns dazu keine Rechnungsunterlagen zu. 

Bezeichnung der PauschaleHöhe der Pauschale
Anlage 5 (NFDM/eMP)
NFDM/eMP-Pauschale gemäß § 2 Abs. 1 lit. b) i.V.m. § 2 Abs. 3 lit. a) bis d), einmalig je Vertragsarztpraxis530,00 €
Zuschlag zur Pauschale für die Betriebskosten gemäß Anlage 2 Absatz 3, quartalsweise je Vertragsarztpraxis4,50 €
Zusatzpauschale NFDM/eMP je angefangene 625 Betriebsstättenfälle gemäß Anlage 1 Absatz 4
(berechnungsfähig vom 01.10.2019 bis 30.09.2020)
60,00 €
Pauschale je stationärem Kartenterminal je angefangene 625 Betriebsstättenfälle535,00 €
Anlage 8 (eArztbrief, KOM-LE/KIM)
KOM-LE/eArztbrief-Einrichtungspauschale, einmalig je Vertragsarztpraxis100,00 €
KOM-LE-Betriebskostenpauschale je Vertragsarztpraxis, quartalsweise23,40 €
eArztbrief-Versandpauschale/Empfangspauschale, quartalsweise maximal 23,40 €

Neue Anwendungen in der TI

Der Zeitplan der gematik sieht für 2020 und 2021 mehrere neue Anwendungen vor. Dazu gehören:

  • Kommunikation im Medizinwesen, KIM - der Dienst zur Übermittlung von elektronischen Arztbriefen
  • Qualifizierte elektronische Signatur, QES - der Dienst um digitale Dokumente rechtskräftig zu unterschreiben
  • Notfalldatenmanagement, NFDM - der Dienst zur Speicherung von Notfalldaten des Patienten
  • Elektronischer Medikationsplan, eMP - der Dienst zur Speicherung aller bereits verordneten Arzneimittel des Patienten
  • Elektronische Patientenakte, ePA - der Dienst zur Speicherung aller Befunde, Diagnosen, Therapien des Patienten
  • Elektronisches Rezept, E-Rezept - der Dienst zur Übertragung von Verordnungen

Störung beim Versichertenstammdatendienst

Es besteht derzeit eine Störung bei der Nutzung des Versichertenstammdatenmanagements (VSDM). In einigen Betriebsstätten ist die Aktualisierung der Stammdaten nicht möglich. Den jeweils aktuellen Störungsstatus finden Sie bei der gematik.

Betroffen sind vor allem die TI-Anbindungen auf Basis der Telekom und Secunet-Konnektoren.

Werden Sie bitte aktiv! Die Störung muss am Konnektor behoben werden

Entgegen der Aussagen von manchen IT-Dienstleistern ist es für Ihre Kassenärztliche Vereinigung Thüringen nicht möglich, Ihre Betriebsstätte aufgrund dieser Störung von der gesetzlichen Pflicht zur Durchführung des VSDM zu befreien. Bitte sehen Sie deshalb von formlosen Anträgen ab.

Hilfe zur Selbsthilfe

Es gibt zum Teil hervorragende Anleitungen Ihrer Softwareanbieter, um diese Störung selbst zu beheben.

Die Anleitungen der Konnektor-Anbieter sind sehr allgemein und erfordern mehr Fachwissen, sollten aber im Zweifel unabhängig von Ihrer Praxissoftware funktionieren:

Falls Sie die Störung nicht selbst beheben können, wenden Sie sich bitte an Ihren IT-Dienstleister.

Laut TI-Radar der cgm liegt bei der Konnektorlösung auf Basis der KoCoBox MED+ keine Störung vor. Es liegt eine Meldung vor, dass bei der Nutzung von DNSSEC auf KoCoBox MED+ die Störung ebenfalls auftritt. Über ein TSL-Update im Bereich "Zertifikatsdienst" der Managmentschnittstelle des Konnektors (Kapitel 7.5.5 des Administratorenhandbuches) konnte die Störung behoben werden.

Fehler „4001“

Am 08.06.2020 hat die gematik eine aktuelle Version der TSL.xml -Datei veröffentlicht und will damit das Problem behoben haben. Falls die o.g. Störung bereits behoben wurde, wird die Datei im Laufe des 09.06.2020 automatisch auf dem Konnektor in Ihrer Betriebsstätte aktualisiert. Die zuvor am 27.05.2020 von der gematik veröffentlichte Datei, führte beim Einlesen der eGK in manchen Betriebsstätten zum Fehler 4001.

Weitere Informationen

Die KBV hat eine aktuelle Serie zur Telematikinfrastruktur in den Praxisnachrichten. Auf den Seiten der KBV finden Sie hier weiterführende Informationen.

Den Gesetzestext zu Elektronischer Gesundheitskarte und Telematikinfrastruktur finden Sie hier.

Die TI-Finanzierungsvereinbarung wurde neu verhandelt und gilt ab 1. Januar 2020.  Einzelheiten dazu finden Sie in den KBV Praxisnachrichten.

Häufig gestellte Fragen

Wie ist der Ablauf für die Einrichtung der Telematikinfrastruktur?

Ihr erster Ansprechpartner für die Einrichtung der Telematik-Infrastruktur sollte der Anbieter Ihrer Praxis-Verwaltungs-Software sein. Er wird Ihnen Auskunft darüber geben, wann und mit welchen Partnern er die Telematik Infrastruktur in Ihrer Praxis einrichten kann.

Wie hoch ist die "Förderung" durch die KV?

Es handelt sich nicht um eine Förderung, sondern um eine pauschale Vergütung. Diese hängt vom Zeitpunkt der nachgewiesenen Inbetriebnahme und der Zusammensetzung der Betriebsstätte ab. Genauere Informationen finden Sie auf den Seiten der KBV.

Was muss ich tun, um die Vergütungen von der KV zu erhalten?

Grundlage für die Berechnung ist der erste erfolgreiche Abgleich des Versichertenstammdatenmanagements. Dieser Abgleich wird von Ihrer Praxis-Verwaltungs-Software gespeichert und mit der nächsten Abrechnung an uns übertragen. Wir berechnen dann anhand dieser Daten und den Informationen aus dem Arztregister die auszuzahlende Pauschale. Die Auszahlung der einmaligen Pauschalen erfolgt ca. sechs Wochen nach Quartalswechsel in einer Sonderzahlung. Die Auszahlung der wiederkehrenden Pauschalen erfolgt zur jeweiligen Quartalsabrechnung.

Bei den neuen Diensten der TI wie z.B. Notfalldatenmanagement (NFDM) oder dem elektronischer Medikationsplan (eMP) wird der Nachweis über eine Eigenerklärungen geführt. Diese Eigenerklärungen geben Sie bequem im Mitgliederportal KVTop ab.

Welche Fristen gibt es?

Mit dem DVG wurde auch die ursprüngliche Honorarkürzung (gesetzliche Sanktion für einen Nicht-Anschluss an die TI) von 1 Prozent ab März 2020 auf 2,5 Prozent angehoben.Die Honorarkürzungen von 2,5 Prozent werden voraussichtlich mit dem Honorarbescheid für Quartal 2020/2 umgesetzt.

Ab 1.7.2020 müssen die TI-Dienste NFDM (Notfalldatenmanagement) und eMP (elektrionischer Medikationsplan) in der Praxis vorgehalten werden.

Wie verhält es sich mit der zugesicherten Kostenneutralität für die Ärzte?

Ziel der Verhandlungen der KBV war es immer, dass unsere Mitglieder nicht auf den Kosten für die Einführung der Telematik Infrastruktur sitzen bleiben. Weder im E-Health-Gesetz noch in den Anlagen zur Telematik-Infrastruktur konnte eine komplette Kostenneutralität zugesichert werden. Die Kosten werden im Regelfall durch die verhandelten Pauschalen abgedeckt.

Welche Geräte benötige ich und was ist bei Haus-/Heimbesuchen zu beachten?

In Ihrer Praxis benötigen Sie mindestens einen Internetanschluss und einen Konnektor für den Zugang zur Telematik-Infrastruktur. Für das Einlesen der Versicherungskarten benötigen Sie ein neues stationäres Kartenlesegerät. Hinzu kommt der Praxisausweis (SMC-B), welcher wie eine Art SIM-Karte im stationären Lesegerät eingesetzt werden muss. Neue TI-fähige mobile Kartenleser sind zwar verfügbar, bieten aber keine Vorteile gegenüber Ihren bisherigen mobilen Kartenlesern. Für Hausbesuche und den Notdienst benutzen Sie weiterhin Ihre Alt-Geräte.

Brauche ich weiterhin KV-Safenet, wenn ich die Telematikinfrastruktur habe?

Während einer Übergangszeit von einem Jahr sind alle Anwendungen des sicheren Netzes der KVen (SNK, KV-SafeNet) auch über die Telematikinfrastruktur erreichbar. Das Mitgliederportal KVTOP Ihrer Kassenärztlichen Vereinigung Thüringen wird auch danach über die Telematikinfrastruktur erreichbar sein. Ob andere SNK-Systeme (z. B. ARMIN, PAD-Transfer, etc.) in Zukunft auch über die Telematikinfrastruktur erreichbar bleiben, ist derzeit noch nicht absehbar.