kvt Kassenärztliche
Vereinigung Thüringen

Was ist DIVA?

DIVA steht für Digitale Vernetzung in der konservativen Augenheilkunde.


Das Projekt verfolgt das Ziel, die augenärztliche Vorsorge für Menschen mit Diabetes in Thüringen zu verbessern und Screening-Angebote, unterstützt durch Telemedizin, leichter zugänglich zu machen.

Warum braucht es DIVA?

Studien zeigen: Bis zu 54 % der erwachsenen Menschen mit Diabetes in Thüringen erhalten keine regelmäßigen augenärztlichen Vorsorgeuntersuchungen. Gleichzeitig ist die Zahl der verfügbaren Augenarzttermine begrenzt. DIVA setzt genau hier an:

  • Screening direkt vor Ort ohne lange Wartezeiten
  • Kurze Untersuchung mit innovativer Funduskamera
  • Telemedizinische Befundung durch Augenärzte
  • Frühzeitige Erkennung von Netzhautveränderungen
  • Entlastung der Augenarztpraxen für Behandlungsfälle

Wie wird diese neue Versorgungsform umgesetzt?

Für die Durchführung der Intervention wurden zum 1. April 2026 acht Standorte in vier Planungsbereichen in Thüringen eröffnet:

  • Bad Langensalza und Mühlhausen,
  • Bad Salzungen und Eisenach,
  • Meiningen und Suhl,
  • Neustadt an der Orla und Schleiz.

Dort werden bei einer Netzhautuntersuchung ohne Pupillenerweiterung Fotos des Augenhintergrunds aufgenommen. Dies erfolgt durch medizinisches Fachpersonal, welches zuvor eine technische Anwendungsschulung durchlaufen hat. Im Anschluss werden die Bilder an kooperierende Augenärztinnen und Augenärzte übermittelt, die diese digital befunden. Die Patientinnen und Patienten werden durch die Diagnostikstandorte über das Ergebnis informiert und erhalten bei Bedarf einen Termin zur Abklärung. 

Evaluation durch das UKJ

Die Einführung der neuen Versorgungsform (NVF) im Projekt DIVA wird im Rahmen einer wissenschaftlichen Begleitstudie durch die Arbeitsgruppe Quantitative Versorgungsforschung am Institut für Allgemeinmedizin des Universitätsklinikum Jena evaluiert. Die Evaluation umfasst eine quantitative Effektivitätsanalyse, eine gesundheitsökonomische Evaluation sowie eine Prozess- und Machbarkeits-Evaluation.

Evaluation der Wirksamkeit

Zur Prüfung der Wirksamkeit der NVF wird ein sogenanntes quasi-experimentelles Difference-in-Differences-Design eingesetzt. Untersucht wird, ob die Einführung der NVF zu einer Erhöhung der Rate an Augenhintergrunduntersuchungen bei gesetzlich versicherten Personen mit Diabetes mellitus in unterversorgten Regionen Thüringens führt. Hierzu werden Zeiträume vor und nach Einführung der NVF sowie Interventions- und Kontrollregionen ohne NVF auf Basis von Abrechnungsdaten der Kassenärztlichen Vereinigung Thüringen (KVT) vergleichend analysiert. Das Design erlaubt es, zeitinvariante unbeobachtete Heterogenität zwischen Regionen zu kontrollieren und Interventionseffekte unter Annahme paralleler Trends trotz fehlender Randomisierung zu identifizieren.

Gesundheitsökonomische Evaluation

Im Rahmen der gesundheitsökonomischen Evaluation wird die Kosten-Effektivität der NVF im Vergleich zur Regelversorgung aus der Perspektive der Versichertengemeinschaft der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) untersucht. Hierzu werden die durchschnittlichen Kosten eines Screenings innerhalb der NVF mit den Kosten der Regelversorgung verglichen und ins Verhältnis zur erzielten Effektivität gesetzt. Als Effektivitätsmaß dient die zusätzliche Teilnahme am Screening bzw. die erhöhte Untersuchungsrate. 

Prozess- und Machbarkeits-Evaluation

Ergänzend wird eine explorative Prozessevaluation durchgeführt, um Implementationsprozesse, Kontextbedingungen und potenzielle Wirkmechanismen der NVF systematisch zu erfassen. Ziel ist es, die Komplexität der Intervention sowie fördernde und hemmende Faktoren ihrer Umsetzung in der Routineversorgung abzubilden.

Um dies zu erreichen werden Augenärztinnen und Augenärzte zu ihren Einstellungen gegenüber der NVF, wahrgenommene Effekte auf Versorgungskapazitäten sowie Auswirkungen auf die Arbeitszufriedenheit befragt. Ergänzend werden Hausärztinnen und Hausärztinnen zu Bekanntheit, Akzeptanz und praktischer Umsetzbarkeit der NVF befragt.

Auch die Perspektive der Patientinnen und Patienten mit Diabetes mellitus wird systematisch einbezogen. Mittels quantitativer Befragungen werden unter anderem die Zufriedenheit mit der NVF, wahrgenommene Zugangsbarrieren sowie fördernde und hemmende Faktoren für die Inanspruchnahme einer Retinauntersuchung erhoben.